Frage

Hausanbau - Wandanschluß

Einsatz: 25 Euro
Status: Frage geschlossen

Guten Tag,

Wir möchten unser Haus (60er Jahre EFH) durch einen Anbau erweitern.
Wie sollte man die neue Wand an den Altbau anschliessen?
Bisher sollte die Wand zu verzahnt werden,aber nun wurde mir geraten die Wand stumpf anzumauern. Werden dann trotzdem Maueranker verbaut und wie dichte ich die entstehende Fuge ab?

Vielen Dank

Antwort
geschrieben am: 12. September 2007 - 9:50
Dipl.-Ing. (FH)
Frank Moser
Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für "Schäden an Gebäuden" der IHK Berlin
Keplerstraße 8-10
10589
Berlin
Berlin

Sehr geehrter Bauherr,

die geeignete Empfehlung hängt von einigen Faktoren ab, die mir z. Z. nicht alle bekannt sind:

- Art und Tiefe der Anbau- und der Altbaugründung sowie Art der Anbau- und der Altbaukonstruktion (Unterkellerung ?)
- Baugrund und Feuchtigkeitverhältnisse im Baugrund, erforderliches Abdichtungsniveau
- Art der Dachdeckung, der Fassadenbekleidung und der Innenraumnutzung/Art des Innenausbaus
- Grundrissgestaltung; Verlauf der Fuge im Grundriss bzw. im Gebäudeinneren/im Ausbau

Grundsätzlich ist bei Anbauten an bestehende Gebäude aufgrund von verzögerten Baugrundsetzungen und Schwind-/Kriechverformungen des später gebauten Anbaus immer mit Differenzverformungen zwischen Alt- und Anbau zu rechnen. Ohne Fugen ist der Ausführungsaufwand zunächst geringer und die Dichtigkeit besser, aber es entstehen dann später unkontrollierte Risse. Mit geeigneten Fugenausbildungen in allen betroffenen Roh- und Ausbauteilen werden können diese Bewegungen zwängungs- und zerstörungsfrei stattfinden, aber es entsteht ein höherer Aufwand und die Fugen stellen (zu wartende) Schwachstellen bezüglich der Luftdichtigkeit, Schall-/Wärmedämmung und Abdichtung/Feuchteschutz dar. Meistens werden Zwitterlösungen ausgeführt, in denen sich dann ggf die Nachteile von beiden Lösungen addieren.

Wenn man den Anbau von Altbau durch Gebäudedehnfuge trennt, dann sollte man es konsequent im Fundament-/Sohlbereich, den Außenwänden und den Geschossdecken vollziehen. das bedeutet, dass man diese Fugen auch in den Wand-/Decken-/Bodenbekleidungen/-belägen ausführen muss, was in der Regel im Endzustand sehr sichtbar wird. Kaschiert/Überbrückt werden können solche Fugen außen im Bereich von Dachdeckungen mit Dachsteinen/Dachziegeln oder Vorhangfassaden. Bei Außenputzkonstruktionen müssen die Fugen mit entsprechenden Dichtungsmassen und/oder Fugen-(klemm-)profilen abgedichtet werden. Im Gebäudeinneren können die Fugen im Raumecken und Türschwellenbereichen angeordnet werden, wo sie weniger auffallend sind und mit Abdeckprofilen kaschiert werden können. Bei den erdberührten Bauteilen im KG muss entweder die Anbauanschlussfuge mit geeigneten, beweglichen Abdichtungskonstruktionen überbrückt werden oder der Altbau ist umlaufend für sich abgedichtet und der Anbau wird es für sich auch, so dass die Haustrennfuge im KG wasserführend sein kann. Im Bereich einer KG-Durchgangstür zwischen Alt- und Neubau wären dann die entsprechenden beweglichen Abdichtungskonstruktionen im Türbereich vorzusehen.

Wie Sie vermuten werden, kann das alles ziemlich teuer werden. Alternativ ist insbesondere bei gleichartigen Konstruktionen und gleicher Gründungstiefe denkbar, die neuen Anbaufundamente beim Anbetonieren an die Altbaufundamente durch Oberflächenbehandlung und Bewehrungsverdübelung weitgehend kraftschlüssig anzuschließen und zumindest die Kelleraußenwand kraftschlüssig zu verzahnen, so dass für setzungsbedingte Bewegungen ein gewisser Kraftschluss vorhanden ist, der größere Bewegungen und Rissbildungen verhindert. Das setzt aber voraus, dass man innenseitig ggf. leichte Rissbildungen in der Verzahnung im KG-Mauerwerk hinnimmt und dass außen eine flexible Hautabdichtung mit geeigneten Abdichtungsbahnen (bituminös zweilagig, Kunststoffbahnen) eingebaut wird, die gewisse Differenzverformungen aufnehmen kann. In den Obergeschossen sollte in den Wänden und Decken keine Verzahnung stattfinden, sondern ein stumpfes Anmörteln und Anbetonieren in Verbindung mit dem Einbau von Verdübelungsankern, um die Rissbreiten und Rissbewegungen zu begrenzen. Da zumindest schwindbedingte leichte Rissbildungen ohnehin nicht ausgeschlossen werden können, empfiehlt es sich dann Scheinfugen (Tiefe: 1/3 der Bauteildicke) in Mauerwerk, Beton, Putz und Estrich etc. einzuschneiden, um eine geradlinige, kontrollierte Rissbildungen zu erhalten. Bei den geputzten Außenwänden sollten dann außen schlagregendichte Kompribänder eingelegt werden. Innen können die Risse nach der Erstrissbildung entweder mit dem Bodenbelag (Teppich, Parkett, aber schwimmend im Fugenbereich) oder dem Wandbelag (Tapete, Abdeckleisten) überdeckt und/oder mit elastischen Dichtungsmassen geschlossen werden. Diese Variante (ein kontrollierter Riss ist die kleinste, weitgehend wartungsfreie Fuge) wird sicherlich etwas kostengünstiger und weniger aufwendig im Ausbau werden, kann aber unvorhergesehene unkontrollierte Rissbildungen nicht gänzlich ausschließen. Hier ist also etwas Mut zum Risiko gefragt. In der Regel sind die Rissbildungen nach ca. 2 Jahren abgeschlossen und die Risse können dann elastisch geschlossen werden.

Ich hoffe, dass Ihnen die Konstruktionsgrundsätze deutlich geworden sind. Eine abschließende und spezifische Empfehlung für Ihr Bauvorhaben setzt detaillierter Kenntnisse von der vorhandenen, und der geplanten Konstruktion voraus und beinhaltet letztlich schon die halbe Ausführungsplanung, die Sie für diese Fragestellung auch von einem sachkundigen Planer (insbesondere was den Gründungsanschluss betrifft !!!) durchführen lassen sollten. Gerne sind wir Ihnen dabei weiter behilflich.

Mit freundlichen Grüssen

Frank Moser

Bewertung der Antwort durch den Fragesteller
5

Diese Antwort hat mir sehr geholfen. Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Beeser einen Experten fragen. Ein Ratschlag aus einem Laienforum hatte mir das Gegenteil geraten...