Frage

Doppelhaus/Dachanschluss zum Nachbarhaus

Einsatz: 30 Euro
Status: Frage geschlossen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin Besitzer einer Doppelhaushälfte. Mein Nachbar plant eine Wärmedämmung für sein Dach über den Sparren, ich nicht. Dadurch wird sein Dach ca. 16cm höher werden. Unsere Grundstücke sind realgeteilt.

Er und der beauftragte Dachdeckermeister haben mich mündlich über diese Maßnahme informiert und dabei auch erklärt, dass dazu an meinem Dach folgende Änderungen vorgenommen werden:
a. Meine Dachziegel (Frankfurter Pfanne) in der Reihe anschließend an das Nachbarhaus werden abgefräst. Sie werden schmaler und die Aufhängenase wird beseitigt.
b. Die gemeinsame Unterspannbahn zwischen den beiden Häusern wird getrennt.
c. Als Übergang zwischen den Dächern ist ein Blech aus Aluminium-Material vorgesehen. Dieses Abdeckblech soll als unterlegter Anschluss ausgeführt werden, der auf meiner Seite etwa 12 bis 15 cm unter meine Ziegel reicht. Eine Falz ist am Ende an passender Stelle (Profil?) vorgesehen.
Ich habe jetzt die Befürchtung, dass nach diesem Umbau mein Dach nicht mehr so dicht ist wie bisher, d.h., dass die Regensicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Außerdem befürchte ich, dass die veränderten Ziegel beim Begehen des Daches zu Reinigungs- und Reparaturzwecken ein Sicherheitsrisiko sind.

Beschreibung des Daches:
Jetzt haben wir ein gemeinsam gedecktes Dach. Bei den Ziegeln besteht jetzt keine Trennung zwischen den beiden Häusern. Die Dachneigung ist 25 ° . Das Dach ist mit Frankfurter Pfannen gedeckt.
Unter dem Dach sind die Häuser durch je eine eigene Brandmauer getrennt (Wandstärke je 17,5 cm, dazwischen Dämmmaterial 2cm).

Ich habe folgende Fragen:
1. Entspricht die geplante Veränderung den allgemein anerkannten Regeln des Dachdeckerhandwerks, oder ist meine Befürchtung berechtigt?
2. Gibt es eine Alternative, bei der auf meiner Seite keine gravierenden Änderungen erforderlich sind, sondern das potentielle Risiko von Problemen auf der Hausseite meines Nachbars getragen wird?

Mit freundlichen Grüßen
xxx

Antwort
geschrieben am: 11. September 2007 - 10:35
Dipl.-Ing. (FH)
Frank Moser
Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der IHK Berlin für Schäden an Gebäuden
Keplerstraße 8-10
10589
Berlin
Berlin

Sehr geehrter Ratsuchender,

die von Ihnen geschilderte Veränderung am Dach betrifft nicht nur die Regensicherheit (und damit die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks), sondern auch das Bauordnungsrecht bzw. den Brandschutz. So ist die Haustrennwand eine Brandwand und nach (zumindest) Berliner Bauordnung bis unter die Dachhaut (Dachsteine mit Lattung) zu führen. Insofern wäre also zunächst der Wandkopf der nachbarseitigen Haustrennwand entsprechend aufzumauern.

Bezüglich der Luftdichtigkeit Ihres Daches gehe ich davon aus, dass diese durch eine Dampfsperre unterhalb der Sparrenebene gewährleistet wird, die an die Innenseite Ihrer Haustrennwand fachgerecht/luftdicht angeschlossen ist,.

Um anschließend einen regelgerechten (regensicheren) Anschluss mit einem (wie von Ihnen beschrieben) geplanten, unterliegenden Metallanschluss auf Ihrer Dachseite zu realisieren, sind nach den Fachregeln für Dachdeckungen mit Dachsteinen, den Fachregeln für Metallarbeiten und dem Merkblatt für Unterspannungen unter anderem folgende Dinge zu beachten:

- die getrennte Unterspannbahn ist an der hochgezogenen Nachbartrennwand 5 cm über die Oberfläche (Hochpunkt maßgebend) der Dachsteine zu führen, dabei die Haustrennfuge mit einer Dehnschlaufe in der Haustrennfuge überbrückend, und entsprechend an der Nachbartrennwand zu verwahren
- Als Deckunterlage für die unterliegende Kehle, deren seitliche Unterdeckung zu den Dachsteinen mindestens 120 mm betragen muss, ist eine vollflächige Deckunterlage (Schalung) anzuordnen oder ein Lattenanstand von max. 200 mm zu garantieren, was bei der Deckung z. Z. wahrscheinlich nicht gegeben ist, so dass zwischen den Latten ggf. Bohlenstücke aufgefüttert werden müssten.
- Die Metallkehle ist wie folgt auszubilden: wenn nicht vertieft oder mit Steg, dann ist am Blechende unter den Dachsteinen ein Wasserfalz (Abkantung) von 15 mm Breite auszubilden; wandseitig ist die Blechkehle mindestens 80 mm über die Oberfläche (Hochpunkte) der Dachsteine zu führen; darüber ist ein Überhangstreifen aus Blech anzuordnen, der an der nachbarseitigen Wand regensicher verwahrt wird (Schlitzen/Einhang-Einlassschienen/Klemmbefestigung mit Dichtstoffen oder Dichtungsbändern etc.; weitere Details hierzu siehe Fachregeln für Metalldeckungen)
- Die Kehle ist mindestens zweiteilig auszubilden mit Stossüberdeckungen von > 100 mm in Längsrichtung oder mit entsprechenden Falzverbindungen
- Die Abschlusskante der Dachsteine sollen im Endzustand einen waagerechten, lichten Abstand von der vertikalen Blechaufkantung von mindestens 40 mm haben.
- Da die Randdachsteine nunmehr einen Dachrand bilden sind alle Randsteine gemäß Fachregeln für Dachdeckungen für Windsogbelastungen zu befestigen (Details siehe Fachregeln für Dachdeckungen mit Dachsteinen)

Es sollte geprüft werden, ob durch Schieben (Ausnutzen von ca. 10 mm Spielraum im Seitenfalzbereich jedes Dachsteins) der Dachsteine auf der gesamten Dachbreite in Richtung Ihres Giebels ggf. das Schneiden der Dachsteine an der Haustrennwand vermieden werden kann. Dies bedeutet sicherlich einen Mehraufwand, aber wenn das geometrisch möglich ist, haben Sie sicherlich auch juristisch einen Anspruch darauf, wenn so dass Schneiden vermieden werden kann. Ansonsten ist das Schneiden von Dachsteinen entlang von Kehlen nichts ungewöhnliches. Dabei haben Sie natürlich Anspruch auf eine farbliche Nachbearbeitung der Schnittfläche. Ferner muss nach dem Schneiden für den Restdachstein natürlich die Lagesicherheit gegeben sein, wobei die Begehbarkeit kein ausschlaggebendes Kriterium ist, da Dachflächen planmäßig nicht direkt über Dachsteine begangen werden sollen, sondern über entsprechend angeordnete Trittkonstruktionen oder großflächig aufliegende Dachdeckerleitern oder –bühnen.

Unter Beachtung der zuvor genannten Konstruktionsgrundsätze und der weiteren Details in den Fachregeln kann der neue Anschluss dann als ausreichend regen- und windsicher bezeichnet werden. Natürlich ist die ursprüngliche, durchlaufende Dachfläche ohne Rand- und Kehlausbildung (die verschmutzen können und gewartet werden müssen) immer regen- und wartungssicherer, weil keine Unterbrechungen existieren. Inwieweit sie also dadurch ein Recht geltend machen können, der geplanten Änderung zu Widersprechen, ist eine juristische Frage.

Eine Alternative zur geplanten Maßnahme wäre eine die Dachsteine überdeckende oder aufliegende Metallkehle, bei der der Eingriff an Ihrem Dach etwas geringfügiger wäre, aber ohne Maßnahmen auch auf Ihrer Seite wird es kaum gehen. Weitergehende Angaben zu diesem Thema setzen eine Detailplanung und weitere Kenntnisse von der vorhandenen Konstruktion voraus.

Dies ist nur eine erste Beurteilung aufgrund Ihrer Fragestellung und Situationsbeschreibung und des von Ihnen vorgegebenen Leistungsumfangs. Für eine weitere, detaillierte Beurteilung bitten wir um weitere Informationen bzw. konkrete Nachfragen über das Forum „Frag- einen- Sachverstaendigen.de“.

Wir hoffen Ihnen hiermit im Rahmen Ihrer Erwartungen geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Moser