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Schallschutzverbesserung bei einer Holzbalkendecke
Sehr geehrte Damen und Herren,
meine Frage bezieht sich auf eine Schallschutzsanierung einer Holzbalkendecke.
Es handelt sich um ein Gründerjahrhaus mit Ziegelwänden und Holzdecken.
Die Wohnung wurde vor kurzem gekauft und muss saniert werden. Die Holzbalkendecke nimmt eine Fläche von 9 x 6 m ein.
Die Decke wird gestützt von 2 Stahlträgern, die die 9 m Länge jeweils dritteln, also alle 3 m ist eine Träger.
Die Decke ist nach unten mit einer in Metallprofilen liegenden Gipskartondecke abgehängt. Hier befindet sich ein Hohlraum bis zur beginnenden Holzbalken decke von 20 cm.
Die tragenden Holzbalken haben eine Zwischenschalung aus Schalbrettern und sind ca. 5cm mit einer Lehmfüllung und einer weiteren ca.
10 cm starken Schlackenfüllung ausgefüllt. Auf den Balken liegen Fußbodenbretter ohne Nut und Feder mit bis zu 5 mm breiten Trocknungsfugen.
Der Boden soll so saniert werden, dass man laute Gespräche von der unteren Wohnung und das Laufgeräusch der Fußbodendielen, weitgehend verbessert werden. Es gibt viele Ratschläge in der Richtung, doch welchen Aufbau sollte man wählen?
MFG
Sehr geehrter Bauherr,
die genau für Ihre bauliche Situation optimierte Lösung hängt von vier Randbedingungen ab:
1. Welche Lastreserven für weitere Auflasten haben Deckenbalken und Stahlträger ?
2. Welches Schallschutzniveau erwarten Sie ?
3. Wieviel können Sie investieren ?
4. Welche Möglichkeit haben Sie, an der Unterseite der Decke noch etwas zu ändern oder an der Oberseite höhenmäßig noch Belag aufzutragen ?
Mit Holzbalkendecken einen überdurchschnittlichen Schallschutz zu erreichen, ist ziemlich schwierig und aufwendig, da diesen Decken in der Regel die Masse fehlt, die für einen guten Schallschutz nötig ist. Daher ist es sinnvoll und Kosten sparend, die bereits in Ihrer Decke enthaltenen, „schweren“ Schüttungen zu erhalten. Der zweite Faktor zur Verbesserung insbesondere des Trittschallschutzes ist die Mehrschaligkeit, d. h. die Schaffung eines Masse-Feder-Masse-Systems durch Aufbringen eines schwimmenden Deckenbelags (schwimmender Estrich/Trockenestrich auf Trittschalldämmung) und einer federnd abgehängten Unterdecke.
Bei der schon vorhandenen Unterdecke sollte geprüft werden, ob diese zweilagig beplankt (besser als einlagig) ist, die Unterkonstruktion federnd (mit Federbügeln) abgehängt wurde und der Hohlraum mit Mineralwolle zur Hohlraumdämpfung ausgelegt wurde. Wenn nicht, dann bitte prüfen, ob das mit einfachem Aufwand nachholbar ist.
Für den oberseitigen Deckenbelag gibt es zwei sinnvolle Möglichkeiten (bitte vorher die Lastreserven statisch prüfen):
a) Auf die vorhandene alten Bretter aufbringen: 30 mm dicke Betonwerksteinplatten mit Bitumenspachtel kleben (zwischen den Platten ca. 5-10 mm Fugen lassen), darauf Trittschalldämmung für Trockenestrich (mineralisch mit geringem Zusammendrückmaß von max. 3 mm), darauf 25 mm dicke Fussbodenverlegeplatten (Spanplatten mit Nut und Feder); darauf Parkett oder Teppich
b) (bessere Lösung, wenn Fliesen zum Einsatz kommen sollen) Auf die vorhandenen alten Bretter aufbringen: PE-Folie, Trittschalldämmung für schwimmende mineralische Estriche, Anhydrit- oder Zementestrich mit mindestens 45 mm Dicke, darauf beliebiger Bodenbelag
In beiden Fällen Randdämmfugen zu aufgehenden Bauteilen nicht vergessen.
Wenn es die Lastreserven zulassen (ist aber eher unwahrscheinlich), wäre es noch besser, wenn man bei b) auch die Betonwerksteinplatten von a) einbaut.
Mit diesen Aufbauten können Sie eine Luftschalldämmaß von ca. 54 dB (dezibel) und einen Normtrittschallpegel von ca. 53 dB erreichen, was dem üblichen Mindesttrittschallschutz nach Norm entspricht. Mit einem gehweichen Belag (Teppich) können Sie beim Trittschallschutz dann noch einmal 3-4 dB zusätzlich herausholen.
Ohne Teppich ist dann aber nicht auszuschließen, dass heftigere Trittgeräusche (springende/tobende Kinder) in den Wohnungen unterhalb doch noch wahrgenommen werden. Holzbalkendecken sind eben gerade in diesem Frequenzbereich schwach auf der Brust (wegen der geringen Masse) und der schwimmende Bodenbelag verbessert eher nur im höher frequenten Bereich.
Wenn Sie eine „Porsche-Lösung“ wollen und genug Höhenreserven haben, dann bauen Sie zwischen den Deckenbalken der alten Balkenlage (aber um ca. 8-10 cm höhenversetzt) eine neue Balkenlage, die von der alten Balkenlage entkoppelt ist und nur auf den Auflagern Wand und Stahlträger (wobei auf letzterem möglichst mit Dämmstreifen) aufliegt, ein. Zwischen den Balkenlagen wird anstelle der auszubauenden Schüttung und Stakung Mineralwolle (80-100 mm) als Hohlraumdämmung verzogen. Auf den neuen Deckenbalken wird ein Fussbodenaufbau, wie unter a) oder b) beschrieben auf den wiederbenutzten, alten Fussbodenbrettern eingebaut. Diese Lösung erzielt bessere Werte und ist insbesondere dann relevant, wenn keine Lastreserven mehr im Bestand vorhanden sind. Allerdings ist sie mit viel Aufwand und Kosten verbunden und nur sinnvoll, wenn man mehr möchte als den üblichen Schallschutz.
Die Minimallösung hinsichtlich Lastzuwachs und Höhenauftrag wäre, auf den alten Fussbodenbrettern nur einen Trockenestrich (ohne Werksteinplatten) wie unter a) einzubringen. Allerdings wird damit der Normtrittschallschutz allerhöchstens mit Teppich erreicht. Und Fliesen sind auf solchen Untergründen auch nicht ganz unproblematisch.
Ich hoffe, dass ich Ihnen einige Perspektiven aufzeigen konnte, die im Hinblick auf die o. g. Randbedingungen geprüft werden müssen.
Mit freundlichen Grüssen
Frank Moser
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Leider ist bis jetzt keine statische Prüfung der Decke erfolgt. Eine Verbesserung kann auch nur von oben geschehen, da die untere Wohnung nicht von uns bewohnt wird.
Deshalb möchte ich nachfragen, ob folgende Lösung eines Handwerkers, der diese
schon mehrmals praktiziert hat, sinnvoll ist.
Er will einen Famacellboden liefern und einbauen und mit Kanthölzern 10 x 12 den
Boden anheben ( es ist diese Höhe notwendig) und die Zwischwenräumeder Balken mit einer Schüttung verfüllen.
Auf die kanthölzer kommt als Abschluß der gewünschte Eichendielenboden mit
Nut und Feder in 20 mm Materialdicke.
Mfg
Lieber Bauherr,
wenn ich die bisherige Planung richtig verstehe (obwohl die Beschreibung nicht so ganz eindeutig ist), so soll die bisherige schwere Schüttung der Deckenbalken ausgebaut und durch eine leichtere (welcher Art ?) ersetzt werden. Ferner soll die Holzbalkenoberfläche durch auf die Balken aufgebrachte Kanthölzer erhöht werden, auf die dann Fermacell-Estrichelemente (mit oder ohne applizierte Dämmmatten) und anschließend Eichendielen aufgebracht werden.
Ich halte diese Lösung schallschutztechnisch für weniger optimal, wegen der Gewichtsverminderung im Rohdeckenbereich. Ferner müssen Fermacell-Platten flächig gelagert werden und nicht auf einem unterschiedlichen Untergrund aus Schüttung und Lagerhölzern (unterschiedliche Bettung, die meachanisch und schallschutztechnsich nicht gut funktioniert).
Um auf die entsprechechende Höhe zu kommen, können sie einfacherweise auf die alten Fussbodenbretter einfach verdichtete Trockenschüttung (z. B. Perlite Schüttung) mit einer Dicke von 8 + x cm anordnen auf die eine Trittschalldämmmatte, ein Trockenestrich (Fussbodenverlegeplatten aus Spanplatten oder Gipsfaserplatten)und ihre Dielung verlegt werden.
Oder sie verlegen auf die alten Fussbodenbretter die Kanthölzer schwimmend auf Dämmstreifen und mit Mineralwolldämmmatten in den Feldbereichen und auf diese Kanthölzer ggf. direkt eine Dielung (die dann mind. 30 mm dick sein sollte, je nach Kantholzabstand) oder Spanplatten (25 mm) mit 20 mm Dielung.
In beiden Fällen hat die nene Decke etwas mehr Eigenlast als vorher, was statisch überprüft werden sollte, aber sie ist dann schallschutztechnisch besser als vorher.
Bei der von Ihnen skizzierten Lösung, wird aufgrund der Lasteinsparung durch Ausbau der alten Schüttung zwar in der Summe wohl keine größere Belastung entstehen, aber die schallschutztechnische Verbesserung durch den schwimmenden Aufbau wird durch die Verminderung der Masse der Rohdecke fast wieder aufgehoben, was weniger für Sprachlärm, aber besonders für Tritt- und Gehgeräusche gilt.
Für eine genauere Analyse bitte den exakten Fussbodenaufbau mit Angabe von Materialen und Abmessungen als neue Frage im Forum einstellen.
Mfg
Moser


