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neues Heizungssystem
Wir bewohnen ein Holzhaus mit sehr vielen, großen Fenster mit 3 fachisolierverglasung Bj 82! Das Haus ist für damalige(vor 25J) Verhältnisse recht gut isoliert, aber entspricht nicht mehr dem heutigen Stand.
2 Fragen:
a) kann man ein Holzhaus (Ständerbauweise) das aussen und innen verbretterte Wände hat, die Isolierung zwischen der Verbretterung aussen/innen ist eine spezielle Dampfsperrpappfolie und Naturkorkplatten 12 cm stark (Baubiologie!) nach heutigem Stand besser wärmedämmen. (möglichst kein Hartschaum) was passiert dann mit der Fassadenoptik. Sehr aufwändig?
b)Wir wollen die bisherige Gasheizung (Flüssiggas) durch ein modernes Heizsystem ersetzen. Wir denken an eine Luftwärmepumpe da wir vom Gas aus versch. Gründen wegwollen, Ich habe nun gelesen, daß diese Wärmepumpen nur mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen ca 35° mit vernünftigen Wirkungsgrad ca 1:3,5 arbeiten. Wir haben aber im Haus sehr kleine, niedrige Heizkörper (Cu-Rohr mit Alurippen) die auf 60° Vorlauf ausgelegt sind. Ich müßte dann im ganzen Haus diese Heizkörper durch wesentlich größere ersetzen. Da die Fenster aber fast bis zum Boden gehen wäre das a) von der Optik her unschön und b)auch ein sehr teurer Aufwand. PS: Wir haben Solarheizung mit 10 qm auf dem Dach die auch einen 400l Pufferspeicher beschickt. Von M April bis M Oktober ist die Gasheizung ausser Betrieb.
Was raten Sie uns in diesem Fall? Macht da die Luftwärmepumpe überhaupt Sinn? Mit Geothermie haben wir uns auch befasst, ist aber viel zu teuer. Alleine die Bohrlöcher 30.000.-€
mfg
Der beantwortende Sachverständige ist nicht mehr auf "Frag einen Sachverständigen" angemeldet.
Sehr geehrter Fragesteller,
Bitte beachten Sie, dass ich Ihre Frage nur auf der Grundlage der von Ihnen erhaltenen Informationen beantworten kann.
Die Idee, ihr Haus mit einem „modernen Heizsystem„ ausstatten zu wollen, ist prinzipiell nicht verkehrt. Es ist jedoch grundsätzlich darauf zu achten, ob hierfür alle wichtigen Voraussetzungen erfüllt sind.
Für eine Wärmepumpe mit einer Funktionsweise Wasser/Sole sind, wie sie bereits richtig erwähnt haben, u. a. Bohrlöcher notwendig. Die Preise hierfür liegen im Raum Berlin- Brandenburg bei ca. 700- 800 € / KW. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Wärmebedarf von ca. 17 KW sind Kosten von ca. 13.500 € notwendig. Zusammen mit der Wärmepumpe und verschiedenen zusätzlichen Bauteilen kommen hierbei schnell 20.000 € zusammen. Eine Investition, die nicht für Ihre Situation geschaffen ist.
Eine weitere Funktionsweise stellt die Luft/Wasser Wärmepumpe dar. Für diese Art der Energiegewinnung sind große Mengen an Luft notwendig. Da diese mit Hilfe eines Ventilators bewegt werden muss, sind Strömungsgeräusche zu erwarten. Wir empfehlen daher, diese Anlagen nicht unterhalb von Ruheräumen einzubauen. Des weiteren ist der Abstand zum Nachbarn (Reihenhaussiedlungen) unbedingt einzuhalten, damit hier keine Belästigungen entstehen.
Umgebungsluft bietet als Wärmequelle für Wärmepumpen zwar den Vorteil, dass sie überall und in unbegrenzten Mengen zur Verfügung steht, aber sie unterliegt jahreszeitlichbedingt relativ großen Temperaturschwankungen. Das heißt, mit sinkender Außentemperatur nimmt die Heizleistung der Wärmepumpe ab. Bei einer wirtschaftlichen Auslegung der Wärmepumpe wird der Wärmebedarf eines Einfamilienhauses bis etwa -5°C Außentemperatur abgedeckt. Denn bei einer Temperatur unter – 5°C sinkt die Leistungszahl der Wärmepumpe. In den meisten Fällen muss dann in bivalenter Betriebsweise ein zus. Heizkessel (Öl oder Gas) in das System integriert werden, um die tiefen Temperaturen zu überbrücken. Eine Verbesserung zu Ihrem jetzigen System ist dann nicht mehr zu erkennen.
Einige Anbieter sind in der Lage, Vorlauftemperaturen von 50- 60°C zu erreichen. Somit wären Ihre Heizkörper (entsprechend Ihren Vorgaben) geeignet.
Fazit:
Grundsätzlich würde ich eine Investition in die Wärmepumpentechnik auf Grund der hohen Anschaffungskosten (Sole/Wasser mit Bohrungen) bzw. wegen der schlechten Leistungszahlen bei niedrigen Außentemperaturen (Luft/Wasser Wärmepumpen) in Ihrem Fall nicht empfehlen.
Sollten sich die Anschaffungskosten für Wärmepumpen in den nächsten Jahren drastisch verringern, kann eine erneute Überlegung für Sie interessant sein. Bei den heutigen Preisen wird sich eine solche Anlage nicht amortisieren. Schonen und Warten Sie Ihre Solarheizung und Ihren Pufferspeicher, sodass Sie noch lange Freude an den wohl „zunehmenden“ Sonnentagen haben werden.
Ich hoffe ich konnte Ihnen einen Überblick über die Situation geben. Sollten Sie eine Nachfrage haben, nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion.
Mit freundlichen Grüßen
Vielen Dank für Ihre Antwort. Da wir hier keine märkische Heide wie in Berlin sondern Kies und Fels haben, sind die Bohrlöcher bei uns halt sehr teuer. Wenn ich Sie richtig interpretiere soll ich bei Flüssiggas bleiben und einen neue Gasheizung mit Brauchwasserkessel Brennwerttechnik investieren?? Die Luftwärmepumpe würde im Prinzip bei uns gehen, da wie ein alleinstehendes Haus mit geringer Bebauungsdichte im Ort haben, aber wenn das System nur bis -5° wirtschaftlich ist, wir haben im Winter schon manchmal bis -15 und -20° zwar nicht oft, dann macht die Luftwärmepumpe ja auch keinen Sinn! Macht die Brennwertechnik auch noch Sinn wenn ich bis max 60° Vorlauftemperatur benötige, wegen der kleinen Heizkörper?
Gruß
aus BW Hohenlohe
Sehr gehrter Fragesteller,
entschuldigen Sie zunächst die späte Antwort. Leider war ich einige Tage gesundheitlich verhindert.
Nun zu Ihrer Nachfrage:
Eine Investition in die Brennwerttechnik hatte ich in meiner Beantwortung Ihrer Frage nicht erwähnt. Vielmehr bin ich davon ausgegangen, dass Sie Ihr vorhandenes System noch so lange wie möglich nutzen. Sollte Ihre jetzige Wärmequelle ausgetauscht werden müssen sind abgesehen von der Wärmepumpentechnik, mehrere Heizsysteme möglich. Die mit den niedrigsten Investitionskosten stellt wohl die Brennwerttechnik dar. Darüber hinaus wäre eine Wärmeerzeugung mit Holz ebenso denkbar.
Die hohen Vorlauftemperaturen (im Winter bis ca. 75°C) stellen für die Nutzung der Brennwerttechnik keinen Vorteil dar. In den Übergangszeiten, wie Frühjahr und Herbst, lassen sich dann mit „Ihren Heizkörpern“ und den in diesen Zeiten geringeren Vor- und Rücklauftemperaturen sehr gute Wirkungsgrade erzielen. Die Energieeinsparung beträgt ca. 25% gegenüber einem älteren Heizkessel. Parallel zur Erneuerung des Heizkessels müssten Sie abschließend noch Ihr Abgasrohr erneuern. Die Kosten eines neuen Heizkessels einschließlich Abgasleitung belaufen sich für ein Einfamilienhaus auf ca. 5.000,00 € (Preis geschätzt für ca. 18KW).
Mit freudlichen Grüßen


